Tag 1 - Abflug und Ankunft

Der längste Tag...
"Ich darf ihr Gepäck leider nicht annehmen", sagt die nette Dame am British-Airways-Schalter einen Tag vor dem Abflug. "Erst ab 2,5 Stunden vor dem Abflug!". Außerdem ist ein Koffer zu schwer: 26 statt 23 kg pro Gepäckstück. Da nützt auch nichts, dass die anderen Gepäckstücke wesentlich leichter sind. Na super, wir räumen mitten am Flughafen unsere Koffer um, leider wirds also doch nix mit dem frühzeitigen Aufgeben des Gepäcks, um dann ohne Stress am nächsten Tag den Flug zu erreichen. Macht nichts, es gibt ja eine Gepäckaufbewahrung am Flughafen, damit wir das ganze Gepäck (insgesamt 121 kg!) nicht mit dem Auto hin- und morgen wieder herführen müssen. Am Schild davor wird noch nett darauf hingewiesen, dass die Aufbewahrung 3€ pro Tag kostet, dabei aber nicht erwähnt, dass es sich bis morgen ja um 2! Kalendertage handelt und daher 6€ pro Gepäckstück fällig sind (sind ja bei sechs Gepäckstücken nur 36€!). Da hätten wir uns ein Taxi von zuhause auch leisten können. Naja, wenigstens hat das online-einchecken funktioniert, wir konnten uns sogar die Sitzplätze selbst aussuchen!

Am Abflugtag geht dann alles sehr schnell: Gepäck von der Aufbewahrung holen, abgeben, Essen/Trinken im Sky-Restaurant, Verabschiedung vom Opa, der uns am Flughafen gebracht hat, auf zum Gate, Sicherheitskontrolle, rein in den Flieger, pünktlicher Abflug nach London-Heathrow (2,5 Stunden). Dort müssen wir irgendwie vom Terminal 3 (Ankunft) zum Terminal 5 (Abflug nach Vancouver). Dazu wird vom Flughafen ein Shuttle-Bus angeboten, zu dem der Weg auch ganz gut beschrieben ist. Allerdings steht nicht dabei, dass man ca. 20 Minuten und 4 Kilometer bis dorthin über Stiegen, Laufbänder und durch Hallen braucht! Der Bus fährt geschlagene 10 Minuten zum anderen Terminal (dazwischen auch lange Strecken durch mehrere Tunnel), sodass man glaubt, man ist bereits in der nächsten Stadt! Dort werden uns dann die neuen Tickets ausgestellt und die Dame erklärt uns, dass wir auf Gate C56 abfliegen und wir uns sehr beeilen müssten (trotz über zwei Stunden Aufenthalt in London). Dann wieder Sicherheitskontrolle (alle kommen ohne Probleme durch, nur Scarlett wird händisch durchsucht, weil bei ihr das Gerät mehrmals Metall anzeigt!) und danach wissen wir auch, warum wir uns beeilen sollen, da unser Gate am anderen Ende dieses Terminals liegt! Entweder 20 Minuten zu Fuß, oder mit dem Verbindungszug(!), der eher einer U-Bahn gleicht zu unserem Gate. Wir entscheiden uns für den Zug, geht sich eh alles aus, dort dann kurz vor dem Boarding noch essen und trinken und ab gehts in den Jumbo (Boeing 747-400), das größte Flugzeug, das ich je gesehen habe! Jede Sitzreihe besteht aus 3-4-3 Plätzen, mit 2 Gängen dazwischen, außerdem gibts es einen 1. Stock, allerdings nur für die "first class". Wir "gemeines Volk" sitzen in Reihe 35 und 36 mit je drei Plätzen. Die Flugbegleiter sind natürlich englischsprachig allerdings langsam und deutlich sprechend und sehr freundlich! Das Entertainment-Programm ist unglaublich: Jeder Sitz hat vor sich einen Bildschirm, es gibt Kinofilme (auch deutsche!), Fernsehserien (sogar die Simpsons!!!), Musik sowieso, Flugstatistik usw. Das Essen ist gut, mehrmals bekommen wir Getränke (jetzt wissen wir, dass "Ginger-Ale" so ähnlich wie Almdudler schmeckt, den es natürlich außerhalb von Österreich keiner kennt) und die Flugbegleiter versuchen, uns die Zeit möglichst zu verkürzen. Obwohl es nach "österreichischer" Zeit bereits weit nach Mitternacht ist und Kevin fest schläft, denkt Scarlett gar nicht an schlafen, bei so vielen Fernseh-Möglichkeiten. Sie ist total aufgekratzt und darf sich dann sogar im "Flugbegleiter-Bereich" aufhalten, wo mehr Platz ist und eine atemberaubende Aussicht auf die Tundra der Nordwest-Territorien Kanadas genießen. Sie erbettelt sich mit ihrem süßen Blick noch zwei Leckerli und mehrere Getränke. Nach über 9 Stunden ist es dann soweit, wir landen in Vancouver, Ortszeit 18:35, obwohl wir in London um 18:15 weggeflogen sind! Der Flughafen von Vancouver ist sehr schön und modern, überall die Kunst der "first-nations", wie man hier die Ureinwohner von Amerika nennt. Nach einer kurzen Befragung durch das, mit kugelsicheren Westen geschützte, Sicherheitspersonal über den Grund der Reise, die Aufenthaltsorte und die Art des Transportmittels, holen wir unsere Gepäckstücke ab und verlassen das Flughafengebäude. Zu unserer Überraschung werden wir gleich von 5 Verwandten abgeholt, damit haben wir nicht gerechnet. Unsere Tante Greti, ihre beiden Kinder Anni und Mario (die beide noch sehr gut deutsch sprechen!), sowie deren Cousine Erika aus Wien, die gemeinsam mit ihrer Nichte Karin auch gerade Urlaub hier macht. Die Freude ist groß, es gibt sogar einen gratis Transferbus zum Hotel, das nur 10 Minuten entfernt liegt. Lustigerweise stellt sich heraus, dass ich (Andi) die Karin, die in der AHS Heustadelgasse maturiert hat, damals in ihrer 1. Klasse in Informatik unterrichtet habe. So ein Zufall! Damals wusste ich natürlich nicht, dass meine Cousine 2. Grades in meinem Informatikkurs sitzt und dass wir uns 9 Jahre später in Kanda treffen werden. Beim Hotel stellen wir unsere Koffer nach dem Einchecken nur kurz ins Zimmer und treffen uns mit allen Verwandten im Hotelrestaurant. Dorthin nehme ich auch meinen Laptop mit und finde wirklich noch die damalige Schülerliste und sogar ein Klassenfoto, das ich damals geschossen habe, worauf wir wirklich die Karin als 10-jährige finden. Das Bestellen bereitet noch einige Schwierigkeiten, vor allem das "lästige" Nachfragen, wie man denn seine Bestellung haben möchte, welche Beilagen, wie was wann wieviel...natürlich in einem Sprechtempo gefragt, hui! Lange plaudern wir auch über das mitgebrachte Geschenk für die Tante Greti (ein Geschwisterfoto mit allen 6 Geschwistern aus dem Jahre 1941), worüber sie sich richtig freut. Sehr, sehr, sehr müde fallen wir dann um ca. 22:30 Ortszeit (in Österreich bereits 7:30! nächster Tag) ins Bett und schlafen über 9 Stunden einen sehr tiefen Schlaf...
Abflug in Wien
Tundra über den Nordwest-Territorien